historische Karte von Morsum/Sylt (Stand 1878)
sowie
die Anschlusskarte Keitum/Sylt


Hoyerschleuse, jetzt das dänische Højer Sluse, gehört bis zur Volksabstimmung 1920 noch zu Schleswig-Holstein und bietet sich als Fährhafen für Sylt an. Es liegt an der Mündung der Vidå. Siehe auch Karte Westliches Norddeutschland, entnommen dem Diercke Schulatlas, 16. Aufl. Braunschweig 1906. Seit der Zugehörigkeit von Hoyer zu Dänemark wird für Syltreisende der Visumszwang eingeführt, später fahren sie in verplombten Zügen zur Fähre. Die Zahl der Touristen sinkt. Ein Dammbau von Deutschland aus erscheint dringlich. Nach Fertigstellung des Damms 1927 werden die Fährlinien Hoyer-Munkmarsch und Hamburg-Hörnum eingestellt. Erst viel später tut sich neue Konkurrenz für den Damm auf: Die noch heute bestehende Fähre List-Rømø.

1828 berichtet Jens Booysen über die Sylter Häfen: "Obschon man mit hohem Wasser oder voller See fast überall landen kann, so hat die Insel doch nur drei eigentliche Landungsplätze, nämlich:
1. bei Morsum, Odde genannt, Süden dem Dorfe.
2. einen kleinen von zwei Einwohnern zu Keitum neben diesem Dorfe angelegten Hafen, und
3. bei Munkmarsch, neben der daselbst vorhandenen Graupenmühle." Bevor Hoyer auf dem Festland Sylts Anlaufstelle wurde, fuhren die Schiffe nach Emmerlöff vor Hoyer. Versandung und der fehlende Schutz bei Weststurm führten zur Verlagerung des Anlaufpunktes(S.40). Das Schiff fuhr jeweils montags und donnerstags, wenn Wind und Wetter es gestatteten. Es war gleichzeitig Postschiff.


Paula Kähler, 4 Jahre Haus- und Kindermädchen bei Familie Johler in Hamburg. Mit 16 Jahren tritt sie die Stelle an. 1933 muss sie entlassen werden, weil das Schulgeld für die Privatschule von Ekkehard an der Alten Rabenstraße die Familie zu stark belastet. Bei einem Einkommen von ca. 500 RM müssen 125 RM Miete gezahlt werden. Paula Kähler erhält 3 RM pro Tag für eine Arbeit von 9 - 17 Uhr. Sie wohnt in Halstenbek und fährt jeden Tag mit dem Fahrrad in die Gryphiusstraße. Ihr Mann ist zu der Zeit arbeitslos.

Alsterratten
Karin Johler war Mitglied bei den Alsterratten. Die Alsterratten sind ein Mädchenclub, der auf der Alster segelt. Er feiert 2004 sein 75-jähriges Bestehen. Gegründet wurde der Verein als Gegenstück zu dem Jungensegelclub Alsterpiraten. als

Karin war Mitglied von 1941 - 1945. Mitgliedsbeitrag 1,50 RM im Monat. Es gab ein Boot, eine O-Jolle. Ihr Name könnte Alsteratte gelautet haben. Die Jolle lag zunächst bei Karl Reich am Steg, Segelnummer 308. Als der Steg zerbombt war, zog man zum noch unbeschädigten NRV-Steg (Norddeutscher Regatta Verein). Da das Segel des Boots durch Kriegseinwirkung verbrannte, wurde ein Neues angeschafft: Nr. 298. 1945 beschlagnahmten die Engländer das Boot.

Chefin des Vereins war zu der Zeit Hilde Kehrhan (von Aufzug-Kehrhan).

Die nach subjektivem Empfinden von Karin Johler einzigen Mitglieder jener Zeit waren neben ihrer Person:
-Gisela Classen verh. Mordhorst
-Ingrid Peters verh. Heisler,
-Gerda Haltermann verh. Schaffner.

Es existieren einige Fotos aus dieser Zeit. Link hier


herzlich willkommen auf der homepage von ekkehard lauritzen: Sitemap Impressum
http://www.lauritzen-hamburg.de


FotoBioGrafie
Hans und Elwine Johler geb. Ude

Hamburg,

Lübeck, 3.9.1919. Elwine Ude(23) heiratet
Pastor Hans Johler(37). Die beiden stehen auf der Treppe ihres Elternhauses Schillerstraße 8.




Links neben dem Hochzeitspaar sitzt Elwines Großvater, der Lübecker Kaufmann Adolf Lampe,72. Rechts hat man Julie Ude, platziert, die Großmutter von Hans. Auch sie ist 72 Jahre alt. Die Hochzeitsfotos werden alle draußen gemacht, weil Innenaufnahmen zu der Zeit fast nur in Fotostudios möglich sind. Nur dort gibt es genug Licht. Diese Fotos sind deshalb im Garten des Hauses Schillerstraße 8 entstanden.








Alle Hochzeitsgäste (v.l.)oben:Freund, Mimi (Wilhelmine) Dimpker geb. Krickhuhn, Vater Rudolf Ude, Ruth Mause, Freund, Walter Heyesen, Rudolf Ude jun.
sitzend:Maria Ude, Mutter Elwine Ude, Brautpaar, Julie Ude, Adolf Lampe, Tante Thiel (Nachbarin)
unten: Inge Ude, Gerda Ude (Cousine), Heinrich Ude.
Die Hochzeit findet in St. Marien zu Lübeck statt. Elwines Bruder Rudolf Ude spielt die Orgel.



Am Hochzeitstag erreichen das Hochzeitspaar etliche Glückwunschtelegramme von Freunden, Kolleginnen und Verwandten. Hans Johler hat sie zu einem Buch zusammenbinden lassen. Hier zwei Beispiele:



"Klarblauer Himmel, Sonnenschein
Just so wie heut, mög immer sein,
Wenn ihr froh wandelt, Hand in Hand
Den Lebensweg im Ehestand:
Besonders wünschen Glück und Segen
Der Frau die früheren Kollegen."




Aus Morsum gratuliert nicht nur der Kirchenvorstand. Auch sehr viele Familien aus seiner Gemeinde schicken eigene Telegramme. Ich führe ich die Absender der Telegramme in der rechten Spalte unten alle namentlich auf.




Lübeck, 4. Mai 1919. Zur Verlobung von Hans und Elwine trifft man sich in ähnlicher Formation:
v.l.oben:unbekannt, Mimi Dimker, Elwine und Hans, Irmgard und Ingo Johler, Vater und Sohn Rudolf Ude.
v.l.Mitte: Nachbarin Tante Thiel, Elwine Ude, Marie Johler, Julie Ude, Gustav Johler, Adolf Lampe.
v.l. unten: Hein und Inge Ude, Karlaugust Johler.


HansJohlerElwineUde in der Verlobungszeit
Hier ein Foto aus der Verlobungszeit.

Elwine Johler erzählt 1978, wie es zu ihrer Verlobung mit Hans Johler kam. Hier zu hören Ladezeit geduldig abwarten.

Während der Verlobungszeit hat Hans Johler Elwine Ude häufig in Hamburg besucht. Öfter fährt er nach der Fährankunft in Hoyerschleuse noch mal kurz nach Esbjerg in Dänemark. Dort kauft er Schmuck für seine Verlobte. In Morsum ist der nicht zu kaufen. Eine Bernsteinkette gehört dazu. Als Elwine sie während eines Besuchs bei ihrer künftigen Schwiegermutter Marie Johler trägt, kritisiert sie spitzzüngig:"Was ist denn das für eine Kuhkette!" Marie Johler will nicht, dass ihre Kinder heiraten. Sie ist wohl eifersüchtig. Hans Schwester Irmgard redet sie eine Heirat mit einem Arzt aus:"Der will nur dein Geld!"






Morsum ca. 1920. Blick von Nordwesten auf das Pastorat. Die Scheune mit Stall links wurde erst in den 1970er Jahren zu einem Gemeindesaal umgebaut.




Blick auf das Pastorat aus Südwesten.
Zum Pastorat gehört seit langem auch ein landwirtschaftlicher Betrieb.So wie alle anderen im Dorf wird auch Hans Johler notgedrungen zum Selbsterzeuger von Nahrungsmitteln. Die Wiesen um das Pastorat herum gehören der Kirche. Im Jahr 1917 kauft Pastor Johler eine Kuh, die sein halbes Jahresgehalt kostet. Zu der Zeit gilt in Morsum zudem das Recht auf freie Weide am Straßenrand. Die Tiere finden abends ihren Weg allein nach Hause. Wenn Pastor Johler sonntags zur Kirche geht, passiert es immer mal wieder, dass seine Schafe ihn als Halter erkennen und ihn ein Stück seines Weges zum Gottesdienst begleiten. Die Landwirtschaft wird erst 1926 aufgegeben. Im Pastorat gibt es bei seinem Dienstantritt wie überall im Dorf weder fließend Wasser noch Elektrizität. Handpumpe und Petroleumlampen sind Standard. Das Plumpsklo steht zunächst noch vor dem Haus, wird dann aber in den Stall integriert.




Morsum ca. 1920. Blick von Süden.
Nach der Zählung von 1924 hat die Gemeinde 497 Einwohner. Zu den Predigt-Gottesdiensten kommen 1925 durchschnittlich 49 Erwachsene (Abendmahl 99). 1921 waren es 55 Besucher.




Morsum. ca. 1919. Die Kirche mit der
alten Dorfschule.




Morsum, ca.1915. Irmgard Johler zu Besuch bei ihrem Bruder Hans. Hier steht sie untergehakt mit Frau Tönissen, von der Irmgards Mutter zwei Seemannstruhen kauft. Eine ist von 1717. Beide sind noch in Familienbesitz.




Morsum 1919.




Morsum, Pastorat. Elwine Johler guckt zur Pöster raus. Das Leben im Pastorat ist nicht einfach. Zunächst heißt es putzen. Nicht umsonst hat sie den Spitznamen Wine Wisch. Überall im Pastorat kleben Spinnweben und liegt Staub: Küche und Bücherregale nennt sie ausdrücklich. Monatelang ist sie damit beschäftigt. Wasser gibt es hier nur aus der Handpumpe im Stall. Kein Vergleich zu ihrem Leben in Lübeck. Deshalb hätte es Elwine gern gesehen, wenn die Familie wegzieht.

Elwine ist im Dorf nicht nur Ehefrau von Hans Johler, sondern auch Frau Pastor. Damit wird sie ebenfalls Ansprechpartnerin für die Gemeinde. Einmal -so berichtet sie- kam eine Dorfbewohnerin zu ihr und sagt:"Dit es ja riin tö lachin! Min Man is al weder duar." Die Frau war verwitwet und hat wieder geheiratet. Auch ihr zweiter Mann war gerade verstorben.











Morsum,6.1.1922. Elwine mit Sohn Ekkehard im Morsumer Pastorat.
Dieses Foto schießt und entwickelt Nachbar Andreas Lauritzen,
der spätere Schwiegervater der noch nicht geborenen
Tochter Karin Johler.

In diesem Winter friert das Wattenmeer zu. Pastor Johler überquert das Eis zum Festland zu Fuß am 9. und 13. Februar 1922.





Morsum, 1922. Hans und Elwine Johler mit Sohn Ekkehard vor dem Morsumer Pastorat.





Ekkehard Johler 1 Jahr alt
Morsum, 21.10.1922. Ekkehard Johler ist ein Jahr alt geworden!





Morsum, 8. Sept. 1924. Pastors Kuh mit Sohn Ekkehard.
Der landwirtschaftliche Betrieb im Pastorat, der im Notjahr 1917 eingerichtet wird, bleibt bis zum Januar 1926 erhalten. Die 1. Kuh kostet 1917 das halbe Jahresgehalt des Pastors Johler. Jens Booysen berichtet 1828, dass Prediger nicht nur von den zum Pastorate gehörenden Ländereien leben, sondern vom Ertrag des "Klingelbeutels" am Neujahrstag, Gebühren für Heiraten, Beerdigungen, Konfirmationen sowie für Geburts- und Taufscheine.
Im Hintergrund der "Sylter Hof".

Ehefrau Elwine Johler lernt bald nach ihrer Ankunft auf Sylt notgedrungen das Melken. Jensine Cristine Matzen geb. Feddersen, die in dem Haus wohnte, das später Axel Springer am Morsumer Golfplatz gehörte, bringt es ihr bei. Nach ihrer "Prüfung" gibt es großes Lob:"Riin üt!", also alles heraus. Die Kuh war ausgemolken. Wie wichtig das ist, wissen nur die Bauern. Wird die Kuh nicht richtig ausgemolken, hört die Milchproduktion schnell auf. Auch Hausschweine mussten geschlachtet werden. Dafür wird ein Hausschlachter engagiert. Doch für Elwine bedeutet das viel Arbeit. Trotz der Haushaltshilfe(n). Im ersten Jahr ihrer Ehe ist das Sara Mattessen, eine geschiedene Frau, deren sozialer Status damals besonders niedrig war. Hans Johler beschäftigte sie, weil sie sich mit einem Haushalt auf dem Lande auskennt. Das Fleisch, die Wurst und die Brühe müssen eingemacht werden. Eine neue Erfindung wird eingeführt: Einmachgläser von Weck aus Glas mit Gummiring, teuer, aber eine Arbeitrserleichterung. Alle Utensilien werden wieder abgewaschen. Das Wasser gibt es aus der Pumpe im Stall. Erhitzt wird es auf dem Ofen. Dort wird natürlich auch gekocht. Für die Lübeckerin Elwine ist das ungewohnt. Sie würde lieber in eine Stadt auf dem Festland ziehen. Dann wäre es auch leichter, ihre Eltern zu besuchen. Den Damm gibt es ja noch nicht. Hans sieht das ähnlich. Seine Familie wohnt in Hamburg. Auch vom Keitumer Pastor wird berichtet, dass er wechseln will. Für beide sind aber keine Pfarren auf dem Festland frei. Also heißt es bleiben.


Kuh von Hans Johler in Morsum
Herbst 1925. Wieder die Kuh von Pastor Johler auf der Fenne neben dem Pastorat mit Tilly Hinsch. Bald haben die Johlers 2 Hausmädchen. Mit zwei Kindern ist die Arbeit nicht mehr zu schaffen. Da die Haushaltshilfen vom Festland kommen, sprechen sie kein Sölring. Es gibt immer noch Sprachbarrieren zwischen Syltern und Zugereisten. Zu zweit haben sie wenigstens einen beständigen Kontakt.



Morsum, 29.6.1924. Hans Johler schiesst dieses Foto
von seiner Frau Elwine und seinem Sohn Ekkehard
für seinen Vater Gustav Johler. Es soll seinem Vorschlag nach
in die Bildergalerie im Frühstückszimmer in der
Bärenallee in Hamburg eingereiht werden. Vater Hans nennt
seinen Sohn hier Ekkemann
(gemäß Vermerk auf der Bildrückseite).

Im Dezember 1924 bekommt das Pastorat eine Fernsprechanlage.





Großmutter Elwine Ude mit ihrem ersten Enkelkind Ekkehard Johler. Sie trägt ihr goldenes Medaillon, das über Generationen weitervererbt wird.



Hans und Ewine Johler haben Besuch von ihrem Bruder Rudolf und seiner Frau Trudel aus Mölln.
Morsum, Pastoratsgarten ca. 1923. Hans und Ewine Johler (l.) haben Besuch von ihrem Bruder Rudolf und seiner Frau Trudel aus Mölln. Auf dem Arm von Trudel wird Ekkehard gehalten.



Die Ostseite des Morsumer Pastorats um 1923.
Morsum, ca. 1923. Die Ostseite des Pastorats. Aus dem Fenster lehnt sich möglicherweise Tilly Hinsch, die bei Ewine Johler den Haushalt unterstützt.




3. Mai 1924. Ein Vier-Generationen-Bild mit Urgroßmutter Julie, Großmutter Elwine, Muttter Elwine und Ekkehard Johler.




Sylter Weststrand, 12.8.1925. Hans und Elwine (r.)
Johler haben Besuch von Tilly Hinsch (l.) aus Trittau.






Morsum, 21.6.1925.
Elwine Johler mit ihrern Kindern Ekkehard und Karin. Die beiden und auch der noch folgende Sohn sind Hausgeburten. Die Hebamme in Morsum ist zu der Zeit Dora Heicksen Sie hat selbst 7 Kinder geboren und kennt sich aus. Gelernt hat sie ihren Beruf aber in Kiel. Hans Johler beschreibt in einem vierseitigen Brief an seinen Schwiegervater die anstrengende Geburt. "Auch ich musste einspringen, da man mich am liebsten noch zur Hilfestellung haben wollte. Das Ende von 4 Tagen und 3 Nächten Qual war da. Um 4 Uhr wurde uns vom Geschick eine Tochter anvertraut...Frau Heicksen hatte abwartend und tatkräftig, je nachdem, aber immer gewissenhaft offenbar gearbeitet. Wenigstens blieb Elwine ohne Schaden."

Die Liste von Karins Taufpaten ist lang. Neben Reichspräsident Hindenburg aus Berlin sind es Großmutter Maria Johler aus Wandsbek mit ihrer Tochter Irmgard, Großmutter Elwine Ude aus Lübeck, Alice und Anni Matzen aus Morsum, die Regierungsbaumeister Ludwig Griebel aus Keitum und Erich Weinnoldt aus Rodenäs, die von jeweils ihrer Seite den Dammbau nach Sylt verantworteten. Außerdem der Techniker Johannes Peters von Nösse, ebenfalls beim den Dammbau beschäftigt.

Den Kinderwagen mit den großen Rädern hat Hans gekauft. Karin ist das erste Kind darin, danach dient er Bruder Roland. Der Erstgeborene Ekkehard scheint leer ausgegangen zu sein. Ich kenne nur Fotos, auf denen er getragen wird.




Vogelkoje, 4.6.1925. Familienausflug der Familie Johler mit Freunden aus Morsum. Mit dabei sind rechts von Hans Johler Getje Lauritzen mit ihrem Sohn Georg Julius, der spätere Schwiegersohn von Elwine und Hans. Ekkehard Johler im Matrosenanzug. Ganz rechts Elwine Johler.







Der Pastor von Morsum/Sylt, 42, in seiner Amtstracht (1920).

"Pastor Johler machte auch Hausbesuche. Besonders bei denen, die es etwas knapp hatten. Auch wenn sie keine eifrigen Kirchgänger waren. Er kam in der Dämmerstunde und erkundigte sich bei ihnen wie es denn so gehe. Wenn es dann dunkel geworden war, verabschiedete er sich und wünschte alles Gute und Gottes Segen. Wenn dann nachher die Petroleumlampe angezündet wurde, lag oft eine Tüte mit Grütze oder Graupen auf dem Tisch und alle konnten wieder einmal satt werden. - Diese Geschichte hat mir Sören Schmidt erzählt. Er sagte darauf:"Pastor Johler war ein Mensch, der uns nie beschämt hat."(Berthin Hansen, Enkel von Küster Hansen aus Morsum)

Sören Schmidt ist am 23.6.1895 in Morsum geboren und 1973 gestorben. Beerdigt wurde er in Westerland.



Koko ist der Maler Friedrich Albin Koko-Mikoletzki (1887 – 1981). Während eines kurzen Aufenthalts auf Sylt wohnt er im Morsumer Pastorat. Sein Auftrag ist, Portraits für Peter Fix zu malen. Die Firma Peter Fix Söhne, Duisburg, baut den Hindenburgdamm von Sylt aus. Als Dank für die gastgebende Familie Johler schenkt er ihnen dieses Bild vom Morsum Kliff und ein weiteres vom Keitum Kliff. Und er schreibt ein Gedicht in das Gästebuch:

"30. September bis 10. Oktober 1925

Einst macht ich mich auf meine Beene
Zu malen Peter Fixens Söhne:
„Andreas“, der den Dammbau machte,
Daß fast die ganze Insel krachte,
Der saß dafür mir zu Modell.
Er war ein köstlicher Gesell
Und köstlich war sein Wein,
Den er mir oft goß ein.
Er sagte mir:
Zum Nachtquartier
Empfehl ich dieses Häuschen hier.
So klopft` ich abends an die Hütte
Und brachte vor gleich meine Bitte.
Man war darüber dort verblüfft,
Wie man das manchmal eben trifft.
Ich tat, als merkte ich es nicht
Mit unschuldsvollem Angesicht….
Da stellte sich gar bald heraus
Ich war in Morsum`s  Pastorhaus;
Und nun begriff ich erst voll Scham,
Wie sonderbar ich mich benahm.
War erst ein wenig noch geknickt
Doch dann: Das hat Dir Gott geschickt,
Und da ich aufgenommen ward,
Fand ich die Sache recht apart:
Mit Schlagsahne – ach es war toll-
Füllt ich den Magen oft mir voll;
Und konnte mich auch nicht erwehren
Ganz heimlich Äpfel zu verzehren
…Ich wußte, daß es Diebstahl war,
Gestand dies auch dem Pastornpaar…
Und für die vielen guten Sachen
Wollt ich nun auch was gutes machen,
So öffnet ich das Kirchentor
Und nahm mal all die Bilder vor.
Der Zahn der Zeit hatt´ sie zernagt
Ich restauriert´ sie unverzagt
Und hoff´, daß auch die Kirchenväter
Sich dran erfreuen würden später,
Und wünsch daß aus das Pastornpaar,
Bei dem ich etwas länglich war
An mich denkt dann ein wenig gerne,
Wenn ich verweil in weiter Ferne.  Koko"


So wie Koko werden immer wieder in Morsum gestrandete Quariersuchende von den einheimischen Bauern ins Pastorat geschickt. Sie wollten nicht Fremden helfen. Der Pastor bietet ihnen Übernachtungsmöglichkeiten. Als Dank tragen sie sich ins Gästebuch ein.

Keitum Kliff gemalt von Koko
Auch diesen Blick von Keitum auf das Watt malt der Gast von Familie Johler.




Morsum, 23.5.1926. Hans Johler mit Sohn Ekkehard Im Garten vor dem Pastorat. Auf der Schaukel Elwine Johler.



Blick vom Eingang des Pastorats nach Osten




Elwine Johler mit Sohn Ekkehard und Margot Schmidt
Morsum, 19.10.1925. Elwine Johler mit Sohn Ekkehard und Margot Schmidt an der Gartenpforte vor dem Morsumer Pastorat.





Morsum, Ostern 1927. Pastor Hans mit Ehefrau Elwine und den Kindern (v.r.) Roland, Karin, Ekkehard sowie Hausmädchen Lilly Erhardt,37, aus Hamburg vor dem Pastorat.-
Ab Februar 1927 wird der Wall im Norden des Pastoratsgartens, der durch den Dammbau gegen die künftige Bahnhofstrasse grenzt, in dazu von Kirchenvertreter Anton Jensen gelieferten Feldsteinen neu -in Beton gebettet- aufgesetzt.






Westerland, 29.8.1926. Hans und Elwine Johler (v.r.)
Vielleicht sind Hans und Elwine schon mit einem Kraftrad nach Westerland gefahren. Er benutzt es am 27. Juli zum ersten Mal.




Hans Johler im Morsumer Winter. Auf dem Kutschbock sitzt Nachbar Feddersen.




1924. Elwine Johler(o.,38) mit Sohn Ekkehard.
Rechts Elwine Johlers Mutter Elwine Ude geb. Lampe(61).
Links Julie Ude geb. Utermöhlen(77), die Großmutter väterlicherseits.



Familie Hans Johler 1927 im Morsumer Pastoratsgarten
Morsum, Ostern 1927. Hans und Elwine Johler im Garten des Pastorats in Morsum. Mit dabei ihre Kinder (v.l.) Roland, Karin und Ekkehard.



Elwine Johler 1927 im Pastoratsgarten Morsum
dito.




Mit solchen Emaille-Schildern wird für die Fahrt nach Sylt geworben. Der Hindenburgdamm wird erst 1927 eingeweiht.





Widmung: "Herrn und Frau Pastor Johler in dankbarem
Gedenken an die schönen Stunden gemeinsamer Arbeit
von der Verfasserin. Erfurt, 6. Okt. 1930."






Morum/Sylt 1.6.1927.
Patenkind Karin Johler auf dem Arm ihrer Mutter Elwine überreicht dem Reichspräsidenten Paul von Hindenburg einen Blumenstrauss. Anlass ist die Einweihung des Hindenburgdammes. mehr zum Dammbau






Morsum 30er Jahre. Der frühere Zugang zur Kirche von der ehemaligen Dorfschule aus. Die Fläche vor dem Tor ist der Schulhof. Schüler Georg Lauritzen muss in den Pausen immer wieder auf das Grab seiner vom blitz erschlagenen Mutter gucken. Nach der Schließung des Tores wird hier eine mannshohe Mauer gebaut.



Erstaunlich gelassen erläutert Hans Johler seine Trennung vom Morsumer Pastorat gegenüber einer Freundin der Familie (Frl. Margaretha Hebbeln, Hademarschen bei Rendsburg, Holstentor-Schwester von Hannes Hebbeln, der als Junglehrer in Morsum tätig war.):
Den Text können Sie in Druckschrift lesen, wenn Sie mit der Maus über den Text fahren.






Dammbau Margaret Boie 3. Auflage 1941
Hans Johler kauft sich noch ein Romanexemplar des Dammbau in der dritten Auflage von 1941. Im Abstand von mehr als einem Jahrzehnt zum Abschied von Morsum blickt er zurück und schreibt in dieses Exemplar:


Hans Johlers Bemerkungen im Roman Dammbau von 1941 Hans Johler leidet noch immer an seinem von der Kirche erzwungenen Abschied aus Morsum, resigniert aber nicht, gibt sich selbstreflektierend kämpferisch und blickt positiv in die Zukunft. Einen Erfolg sieht er darin, dass der Damm steht. Dazu hat er als Morsumer Pastor vermittelnd, ausgleichend und perspektivgebend in der Gemeinde und bei Dammbauarbeitern beigetragen. Sein Realitätssinn, die Bereitschaft zur Anpassung an unausweichliche Veränderungen, sein tief verinnerlichtes Gottvertrauen haben ihm die Kraft für seine Abeit gegeben. Seelsorge bedeutet für ihn Zuwendung, die zwischen Menschen keinen Unterschied macht. Damit verbunden ist eine persönliche seelische Belastung, die im obigen Text deutlich wird.

Später ab 1929 als Binnenschifferpastor in Hamburg versucht er immer wieder ohne große Unterstützung z.T. auch gegen kirchenhierarchische Erwartungen soziale Not von Binnenschifferfamilien zu lindern. Immer wieder besucht er sie auf ihren Schiffen. Da sie häufig unterwegs sind, trifft er zunächst stets neue Familien. Deren Kinder fahren immer mit. Das Leben an Bord erscheint ihm kümmerlich. Nach und nach kennt er viele und hält für sie gelegentlich auch Gottesdienste in der Veddeler Kirche. Da er von der Branche der Binnenschifffahrt nichts versteht, erarbeitet er sich fachlichen Grundlage dafür durch ein Studium der Volkswirtschaft und Soziologie, das er mit seiner 1940 in der hansischen Universität vorgelegten Dissertation mit dem Titel Die Strukturwandlungen der Binnenschiffahrt im Jahrzehnt 1930 -1940 in Hamburg als Grundlage einer Soziologie des deutschen Schifferstandes abschließt. Sein Betreuer ist Prof. Schulz-Kiesow.

Während des Studiums ist Hans Johler der einzige weißhaarige Student älteren Semesters. Daran hat sich niemand gestört. Er schreibt seine Doktorarbeit auf einer Schreibmaschine, die beim Kauf hochmodern ist, deren Technik aber schnell veraltet. Es ist eine AEG Mignon. "This was called an index typewriter; to operate it, the pointer was pointed at a letter, and the key to the right was pressed to type it." Quelle Wikipedia. Bei dieser Schreibmaschine muss man jeden zu druckenden Buchstaben mit einem fest installierten, mechanisch beweglichen Stift auf der nur gedruckten Tastatur ansteuern, sich dabei zwischen Groß- oder Kleinbuchstabe entscheiden und ihn dann mit einem zu drückenden Knopf zu Papier bringen. Da die Doktorarbeit in mehreren Exemplaren eingereicht werden muss, Hans Johler aber das Geld für einen Druck fehlt, hat er sie mehrfach getippt an der Universität Hamburg eingereicht. Auch das Exemplar in der Stabi (noch immer ausleihbar) ist natürlich so geschrieben.

Vorteil der AEG-Mignon-Schreibmaschine ist ihr geringes Gewicht. Leicht wie eine Reiseschreibmaschine. Elwine Johler hat vor ihrer Ehe schon an komfortabler zu bedienenden Büroschreibmaschinen gearbeitet. Sie sind jedoch sehr schwer. Hans Johler liebt den technischen Fortschritt und kauft im Rahmen seiner bescheidenen Mittel gern den Stand der Technik.




Predigertafel in der Kirche von Morsum auf Sylt
Predigertafel in der Kirche in Morsum auf Sylt. Fotografie: Jan Hinsch.






Flensburg, Falkenberg 13. Pastor Johlers Familie wohnt hier nach Ende seiner Dienstzeit von November 1927 - April 1929. Die in Hamburg am Grasweg ins Auge gefasste Wohnung ist noch im Bau. Während dieser Zeit arbeitet Pastor Johler schon în Hamburg und wohnt in der Zeit bei seinen Eltern in der Bärenallee 60.

Die Johlers in Flensburg bekommen Besuch aus seiner früheren Gemeinde Morsum(siehe Foto). Es besuchen ihn (v.l.) Peter Körner, Paul Kayser, (Ehepaar Johler), Hannes Hebbeln (ehemaliger Lehrer in Morsum, derzeit Flensburg, Strucksdamm 9), Anna Kayser, Andreas Lauritzen, Getje Lauritzen, Grete Hebbeln. Davor die Kinder der Familie Johler.





Flensburg, ca. 1927. Familie Johler wohnt im Falkenberg 13, einem Neubau (Foto: links). 1927/28 gibt es einen harten Winter. Elwine wohnt hier mit ihren 3 Kindern allein. Die Öfen im Haus müssen von ihr versorgt werden.




Märchenpostkarte von Hans Johler  an Klein Karin
Wandsbek, 30.4.1928. Hans Johler hält mit Märchenpostkarten wie dieser Kontakt mit seinen Kindern in Flensburg. Diese Karte ging an "Klein Karin Johler". Die Umstände der Trennung von Morsum beschäftigen ihn weiterhin. Er schreibt: "Heute ist der erste volle warme Frühlingstag. Da möchte ich gern mit Euch in den Marienwald gehen. Und ich würde mit Euch dann ganz froh mich freuen können u. alles Böse und Bittere vergessen."



JohlerkindedrNachMasern
Flensburg, 17. Juli 1928. Elwine Johler und ihre drei Kinder gucken alle ziemlich geschafft in die Kamera. Des Rätsels Lösung auf der Rückseite:"Der 1. Tag nach d. Masern."


Elwine Johler in Flensburg 1928 mit ihren Kindern
Flensburg, März 1928. Hier ist die Familie Johler noch frei von Masern. die Postkarte ging zu Ostern an Elwines Schwester Inge.




Flensburg, 1928. Karin, Ekkehard, Roland Johler.



1928 wird Ekkehard Johler in Flensburg eingeschult. Er trägt ein Mützenband mit der Aufschrift Unterseeboot U.9.
Laut Wikipedia unternahm U 9 sieben Feindfahrten und versenkte dabei fünf Kriegsschiffe mit 44.173 Tonnen und 13 Handelsschiffe mit 8.636 BRT. Kein anderes Boot versenkte während des Ersten Weltkrieges mehr Kriegsschiffe.

Das Mützenband wirkt 1928 aus der Zeit gefallen. Die Kleidung stammt von Hermann Frahm, einem 10 Jahre älteren Verwandten. Zur Zeit seiner Einschulung war sie sehr en vogue. Angesichts knapper Kassen tragen die Johlerkinder immer wieder hochwertige Secondhandkleidung der Familie Frahm, die diese oft in Kinderboutiquen gekauft hat.




Roland und Karin Johler





Roland (5) und Karin Johler(6).





30.6.1928. Hans Johler (M. rechts vom Kreuz) in der Gastronomie des Flughafens Hamburg anläßlich der Ankunft eines "v. Hünefeld" (Bildunterschrift), vermutlich des Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld, eines Flugpioniers.




Flugfeld Westerland ca. 1925. Llinks gucken Elwine und Hans Johler auf das Fluggerät. Es dürfte sich um Sylt handeln. Die Westerländer Fluggesellschaft ist gegründet, der Flugplatz Sylt eingeweiht.




22.6.1930. Hans (2.v.l.) und sein Bruder Ingo (4.v.l.) auf dem Hamburger Flughafen.




Roland, Ekkehard und Karin Johler am Rotklinkerbau ihrer Wohnung am Grasweg 38a in Hamburg. Hier wohnen sie von April 1929 - September 1935.

Karin erinnert sich an zwei Kellereinbrüche am Grasweg. Nach dem ersten Einbruch verschwindet das Fahrrad der Haushaltshilfe Paula. Hans Johler als praktisch veranlagter Tüftler legt daraufhin einen Draht von der Kellertür in den Flur seiner Wohnung darüber und schließt ihn an eine Glocke an. Die Alarmanlage wird eines Tages ausgelöst. Elwine Johler hört das Klingeln und eilt in den Keller. Sehr mutig. "Ist da wer?" Der Einbrecher eilt davon. Elwine hinterher. Sie will zur Polizeistation an der Sierichstraße. Der Einbrecher läuft auch daran vorbei. Elwine ist erschöpft von der Verfolgungsjagd und geht in die Wache, um Anzeige zu erstatten. Der Einbrecher, ein junger Mann, wird nicht ermittelt. Gestohlen wird diesmal auch nichts. Nur Karin bleibt die Angst vor dem Keller.


Karin Johlermit ihrem Bruder Roland
Karin und Roland Johler fahren ein "Kettcar" am Grasweg.




Karin und Bruder Roland Johler.
Indianerspiele sind noch üblich in den 1930er Jahren. Karin und Roland Johler.



Roland Johler am Grasweg in Hamburg mit Nachabrskind Ingrid Busch.
Roland Johler kutschiert das Nachbarskind Ingrid Busch vor der Wohnung am Grasweg.




Die Geschwister Ekkehard, Karin und Roland Johler (v.l.n.r.) spielen am Grasweg im Eingang des Turmhauses. Die Eisenbahn gehört Roland. Zum selbständigen Fahren musste man mit einem Schlüssel eine Feder aufziehen.



Walther Hinsch mit seiner Haushälterin und Karin Johler auf der Terrasse seiner Wohnung am Grasweg.Ca. 1930.
Neben der Familie Johler wohnt der Architekt der Anlage, Walther Hinsch (r.). Hier mit seiner Haushälterin "Tante" Borchert und Nachbarskind Karin Johler. Walther Hinsch ist der Bruder von Karins Grußmutter Anna Maria Johler. Die Geschwister spielen manchmal auch in seiner Wohnung, denn sie sind verwandt. Karin ist beeindruckt von der großen Glaswand zwischen Flur und Wohnzimmer. Alles wirkt so hell. Eine Treppe führt nach oben zum Dachgarten. An einem Sylvesterabend gehen alle drei dort hinauf. Ekkehard als ältester hat einige Knallkörper in einer Zigarrenkiste dabei. Es ist schon dunkel. Karin zündet einen Piepmantschen und läßt ihn in die Kiste fallen, weil sie sich nicht die Finger verbrennen will. Es knallt sehr laut, eine Rakete fliegt und Ekkehard sagt nur:"Blöde Schwester!" Sein geplantes Sylvesterfeuerwerk hat sich vorzeitig verabschiedet.

Der Gebäudekomplex am Grasweg wird 1943 von einer Brandbombe stark beschädigt und erst nach dem Krieg wieder aufgebaut.
Zu Leben und Arbeiten des Architekten Walther Hinsch gibt es das von Dr. Jörg Schilling verfasste Hamburger Bauheft 35, Hamburg 2021.





1931. Dieses Bild von Ekkehard, Karin und Roland (v.l.) zeichnete die Portraitmalerin Elena Luksch-Makowsky (1878 - 1967) aus dem Nachbarhaus Grasweg 38 direkt vor ihrer Haustür. Karin erinnert sich an ihre Wohnung:"Das Wohnzimmer stand voll mit Pinseln und Farben." Elena Makowskaja ist die Frau von Prof. Richard Luksch, der am Lerchenfeld als Holzschnitzer arbeitet und lehrt. Später trennen sich die beiden. Sie wird 1878 in St. Petersburg geboren, studiert dort bei Ilja Rjepin und hat später als Malerin in Wien einen eigenwilligen Beitrag zum Jugendstil geleistet. (vgl. Malerei in Hamburg Band 1 (1886 - 1945) von Volker D. Heydorn)



Krin Johler am Grasweg 38 in Hamburg
2013. Karin Johler erinnert sich an die Entstehung des Bildes von Elena Luksch-Makowsky am Grasweg 38. Der Zaun steht noch immer.




Rolands Locken abgeschnitten anfang 1930er Jahre
Auch Rolands Locken sind noch da. Sie fielen in den 1930er Jahren einem radikalen Haarschnitt zum Opfer.





Sylvester 1932 bei Karl Frahm Königstrasse Altona
Hamburg, Sylvester 1932. Hans und Elwine Johler(rechts im Bild) feiern lustig verkleidet in der Wohnung von Karl Frahm an der Königstrasse in Altona. Karl Frahm (Mitte rechts) war Direktor der Westbank.




Roland Johler (4-5 Jahre alt)


Ostern 1933. Karin, 8, und Ekkehard Johler, 11. Ekkehard ist Mitglied bei den Grauen Wölfen und der Freischar. Diese Organisationen werden im 3. Reich verboten und in die von militärischem Drill geprägten Hitlerjugend überführt. Karin geht widerwillig in den Bund deutscher Mädchen. Ihre Lehrerin sagt, sie verbaue sich sonst ihre Zukunft. Sie besucht so selten wie möglich die BdM-Treffen, die in den Räumen der Mathäuskirche in Winterhude stattfinden. Es ist ihr dort zu langweilig.



Roland Johler in Husum mit Jürgern Frahm
Husum, ca. 1936. Roland Johler auf dem Fahrersitz. Von hinten schiebt Jürgen Frahm, der Sohn von Karl Frahm. Sein Vater ist Direktor der dortigen Westbank. Seine Mutter ist Selma Elisabeth Juliane geb. Utermöhlen
*28.5.1849 in Oldenburg. Deren Schwester Johanna Henriette Auguste Julie Utermöhlen *7.9.1847 in Oldenburg heiratet den Bremer Kurzwarenhändler Rudolph Ude, den Großvater von Elwine Johler geb. Ude. Cousins 2. Grades. Elwine und ihre Kinder machen deshalb gelegentlich in Husum Urlaub. Sie wohnen dann im Bankgebäude Neustadt 64 unter dem Dach.



Husum 1938. Karin Johler (2.v.l.) mit Karl Frahms Kindern Jürgen, Gertrud und Lisa im Garten hinter dem Bankgeschäft.




In diesem Gebäude in der Husumer Straße Neustadt residierte nach dem Großhamburggesetz die Zentrale der Schleswig-Holsteinischen Westbank. Bis dahin war Altona ihr Standort. Durch die Eingemeindung nach Hamburg passte das nicht mehr zum Namen.

Karin reist mit Bruder Roland und ihrer Mutter Elwine auf Einladung von Onkel Karl in den Jahren 1936 bis 1939 für jeweils 2 Wochen hierher. Sie wohnten in einem Zimmer hinter dem rechten Fenster des oberen Balkons. Damals gab es nur diese drei Balkonfensterzimmer. Der Rest des Bodens war nicht ausgebaut und wurde als Aktenarchiv der Bank genutzt. In den Balken des Dachs hingen viele Fledermäuse. Hier musste man durch, um in das Zimmer zu gelangen. Karin hatte damals immer etwas Angst vor den Tieren. Wenn man ihnen zu Nahe kam, machten sie bedrohliche Geräusche.
Der Balkon im 1. Stock gehörte zu Karl Frahms Wohnung. Unten lag die Schalterhalle der Bank.


Husum 1941. Mit dieser Karte lädt Karl Frahm Elwine Johler zu einem Essen im Lloyd Hotel in Altona ein.




Hans Johler mit seinem Sohn Roland
Hamburg, ca. 1935. Hans Johler mit seinem Sohn Roland.




Ekkehard Lhler mit Geschwistern und seinem neuen Fahrrad.
Hamburg, ca. 1935. Karin und Roland sowie Ekkehard Johler mit seinem neuen Fahrrad Marke Adler. Es hat 60 Mark gekostet. Damit sollte er vom Grasweg zu seiner neuen Schule am Dammtor radeln. Das Glück währte jedoch nicht lange.



Ekkehard Johler mit seinem neuen Fahrrad
Als Ekkehard ebenfalls mit Rad aus der Eichenstraße die gebügelte Pastoren-Halskrause für seinen Vater abholen sollte, stellte er das Fahrrad vorsichtshalber im Treppenhaus des mehrstöckigen Wohnhauses ab, denn er hatte kein Schloss. Als er wiederkam, war das Fahrrad weg. Er musste zu Fuß nach Hause und hat viel geweint.




Hamburg, Sommer 1933. Karin Johler "heiratet" ihren Bruder Roland. Brautjungfer ist Karins Freundin Inge Gehle. Die Freundschaft hält lebenslang.





Ca. 1937. Roland Johler mit seinem Vater Hans im Hamburger Stadtpark.





Karins Einschulung1931
Hamburg Ostern 1931. Karin Johlers 1. Schultag. Hier vor ihrer Wohnung am Grasweg. Bis zu 35 Kinder finden sich auf ihren Klassenfotos. Lehrerin ist Fräulein Sennewaldt.




Karin Lauritzen vor ihrer früheren Schule am Grasweg in Hamburg
2013. Karin Lauritzen guckt durch die verschlossene Tür ihrer früheren Volksschule (heutige Bezeichnung Grundschule) am Grasweg in Hamburg. Hier ist jetzt die Heinrich-Hertz-Schule untergebracht. Später mit 17 am Fröbelseminar, einer Ausbildungsstätte für Kindergärtnerinnen, hatte sie eine Lehrerin, die die Klasse immer mit "Heil Hitler Kinderchen" begrüßte. Diesen Satz sprach sie ganz leise, hob dabei nur ihren Unterarm. Sie war Nazigegnerin, musste sich aber im Schuldienst irgendwie mit den herrschenden Regeln arrangieren. Da war die Direktorin ganz anders, erinnert sich Karin. Die knallte beim Gruß schon fast die Hacken zusammen.





Hamburg, 1.9.1935. Im ersten Stock links in Gryphiusstr. 3
wohnt jetzt die Familie Johler. Die Wohnung wird frei, da die jüdische Vormieterin, Frau Urias, in die USA auswandert. Die Wohnung hat 4 1/2 Zimmer, davon drei zur Straße. Die Miete beträgt 125 Mark. 1937, erinnert sich Tochter Karin verh. Lauritzen, wird der erste elektrische Bosch-Kühlschrank angeschafft. Bis dahin kühlte man mit Eis, das in ca. 1 Meter langen Barren angeliefert wurde. Elwine Johler war Luftschutzwartin im Haus. Während der Bombenangriffe auf Hamburg im Sommer 1943 saß die Familie mit ihren Nachbarn oft und teilweise lange im Luftschutzkeller. Wenn Luftminen in der Nähe hochgingen, fing das Herz an zu klopfen. War es ruhig, lernte man über Gespräche die Nachbarn kennen.

Die Fahne im 4. Stock zeigt gut erkennbar ein Hakenkreuz. Die rechts vom Eingang möglicherweise auch (schwer erkennbar).




Hamburg, 2013. Karin Lauritzen geb. Johler besucht das Haus in der Gryphiusstraße 3, in dem sie als Kind gewohnt hat.







Hamburg 1937. Paula Kähler, die Haushaltshilfe der Johlers in Hamburg, mit Roland und Karin Johler.


49 Jahre später:

Hamburg 1986. Elwine Johler(r.) wird 90. Mit dabei die frühere Haushaltshilfe Paula Kähler. Gefeiert wird im Haus von Roland Johler in Jenfeld.



Karin Johler in BDM-Kluft1938
Hamburg 1938. Karin Johler in ihrer BdM-Kluft. Sie wird eher gedrängt, zu den Treffen de Bunds deutscher Mädchen zu gehen. Es ist ihr da zu langweilig. In der Schule sagte man ihr wiederholt:"Wenn du da nicht hingehst, versaust du dir deine Zukunft."




Hamburg 1940. Karin Johler in Winterkleidung. Sie ist jetzt 15 Jahre alt.


Hans und Ewine Johler 1939 in Hamburg
Hamburg, 18.9.1939. Hans und Elwine Johler vor dem Haus in der Gryphiusstraße 3 in Hamburg. Einen Tag später heißt er Dr. Hans Johler. Seine Promotion ist durch.



KarinJohler mit ihrem Bruder Roland
Hamburg, 18.9.1939. Auch Tochter Karin (14) und ihr Bruder Roland (13) werden fotografiert. Elwine Johler über ihre Tocher Karin:"14 Jahr und 7 Wochen ist der Backfisch ausgebrochen." Als Backfisch bezeichnet man zu der Zeit heranwachsende Mädchen.






Hamburg, Sommer 1942. Elwine Johler auf dem Balkon in der Gryphiusstraße.







Hamburg, Anfang der 30er. Elwine Johler.




Dr. Hans Johler






Hamburg, 26.11.1942. Hans Johler im Zillertal mit Anna Wollgast (l.) und Tilly Hinsch.




Der Personalausweis im 3. Reich, die Kennkarte.




Hamburg, ca. 1932. Hans Johler auf einem Ausflug mit den
Holsaten auf der Elbe. Die Holsaten sind ehemalige Schüler der
Albrecht-Thaer Oberrealschule vor dem Holstentor in Hamburg,
die sich in der Vereinigung Holsatia zusammengeschlossen haben.




Hamburg, 6.4.1940. Im Hotel Reichshof trifft sich Hans Johler (o.r.) mit seinen Mitabiturienten. Diese Treffen finden regelmäßig statt. Die Ehefrauen und z.T. auch die Kinder werden mit dazu eingeladen. Hans nennt das Foto das Ha-ha-ha-Bild, weil der Fotograf alle zum Lachen bringt. Wenn Sie mit der Maus über das Foto fahren, sehen Sie den ersten Schnappschuss.

Das erste dieser Traditionstreffen findet 1929 statt. Hans ist noch ohne seine in Flensburg lebende Familie in Hamburg, da eine Wohnung erst in Aussicht steht. Der Wunsch nach Kontakten lässt ihn auf die Idee kommen, seine Mitabiturienten ins Landhaus Walter einzuladen. Am Endes dieses vergnüglichen Treffens fragt Hans in die Runde:"Wollen wir uns nächstes Jahr mal wieder treffen?" Karl Marx antwortet ihm:"Alle vier Wochen! Und mit Frauen!" So kommt es dann. Später dürfen auch die jugendlichen Kinder mitkommen. So trifft Karin Johler auf Eva Schwarz. Sie gehen daraufhin zusammen zur Tanzstunde. Jahrzehnte später trifft Karins Sohn Ekkehard als Lehrer auf die Kollegin Eva Dilcher -geborene Schwarz. Nach und nach sterben die Mitabiturienten. Die noch fitten Ehefrauen treffen sich trotzdem weiter. Als es nur noch zwei sind, löst sich die Runde auf.




1937. Hans Johler mit Sohn Ekkehard vor dem Planetarium im Stadtpark von Hamburg.





HAMBURG, 10.4.1937. Hans Johler (r.) verabschiedet Gemeindemitglieder nach einer Hochzeit. Hans Johler arbeitete zu dieser Zeit als Vertretungspastor in verschiedenen Hamburger Gemeinden.





HAMBURG, 10.4.1937. Hans Johler im Ornat nach einer Hochzeit des Paares Feiersbach-Seidel. Die Kirche ist nicht bekannt.




Hamburg 1938. Hans Johler auf einem Binnenschiff im Hamburger Hafen. Er betreut die Binnenschiffer-Gemeinde 1928 - 1943.




Hans Johler 1939 in Schweden
Schweden 1939. Hans Johler schließt sich seinem Sohn Ekkehard an, der eine Schwedenreise per Frachtschiff von seiner Ausbildungsfirma gesponsert bekommt.





Hamburg 1938. Elwine Johler mit ihren Kindern Ekkehard und Karin (r.) und Roland unterhalb des U-Bahnhofs Hudtwalkerstraße.
Brief von Enkel Ekkehard Johler an seine Grossmutter Elwine Ude (1940)

"In dieser Zeit galt für meine Eltern: Man hält die Schnauze und macht sein Ding. Nicht mit den Kindern über Politik sprechen. Ziel: Durchkommen. Wir hätten aber nichts erzählt, wenn wir etwas gehört hätten." Karin Lauritzen geb. Johler



25.8.1929. Hans und Elwine Johler sind Mitglied in einer Wandergruppe, die sich "Die Schnecke" nennt. Der Name drückt aus, dass es langsam voran geht. Neben der Freude an Bewegung und Natur spielen die Gespräche und und sozialen Kontakte eine tragende Rolle in der Vereinigung.



25.8.1929. Initiatoren der Wandergruppe sind zwei Brüder, Oskar Trinks, Vorname des Bruders unbekannt. Beide haben eine zeitlang in Südamerika gelebt und sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Sie wohnen am Lindenplatz in Hamburg. Wirtschaftlich geht es ihnen zu der Zeit nicht so gut.





28.2.1932. Bildunterschrift: "Else, Erika, Inge v. Gering(?), Stechert Gibsone (?), Pia Reher, Hans Johler, Elwine Johler, Inge Hellmann."
In der "Schnecke" wandern Bürger der Mittelschicht. Sie fahren am Wochenende mit U- oder S-Bahn bzw. Zug in die Außenbezirke von Hamburg und beginnen dort ihre Wanderungen. Karin Lauritzen nennt folgende Namen von Teilnehmerinnen: Hans und Elwine Johler, Ingo und Erika Johler, Familie Steffen aus Othmarschen (Gottorpstraße), Dr. Jäger. Ehepaare und auch jüngere Frauen, Sekretärinnen nehmen an den Wanderungen teil. Die Wege sind stets genau geplant. Es gibt eine Einkehr mit z.B. Erbsensuppe. Abends wird getanzt. Ausgangspunkte der Wanderungen sind z.B. Hausbruch, Aumühle, Wohldorf-Ohlstedt, Sasel, Poppenbüttel.



Wandergruppe "Die Schnecke" Hamburg 1932
Hamburg, 26.11.1932. Die Wandergruppe trifft sich bei Sagebiel in Blankenese zum Alpenfest. Hans Johler oben Dritter von rechts.





Mai 1940. Schneckenwanderung mit Hans Johler (M.) Else Hinsch (r.) und Herrn Steffen (vermutlich l.) mit den Kindern Rolf und Sigrid.







28.2.1932. Ingo (l.) und Hans Johler im Sachsenwald.










Hamburg, 1941. Noch sind alle zusammen. Familie Johler (v.l.): Karin, Elwine, Ekkehard, Hans, Roland. Roland hatte an einer Privatschule am Baumwall in Hamburg einen Klassenkameraden mit gleichem Namen, allerdings als Nachname. Der wurde später ein bekannter Filmregisseur. Vorname Jürgen.
Roland Johler hat der Familie einen Radioapparat besorgt, mit dem "Feindsender" abgehört werden konnten. Vater Hans Johler hat das Gerät nicht nur finanziert, sondern hörte auch unter den Bettdecke gerne ins Programm.

...später:

Ekkehard Johler




Bremen, Januar 1942. Ekkehard Johler absolviert ab 5.2.1941 seine Grundausbildung in Bremen Osterholz. Gegen Ende dieser
Grundausbildung lässt er sich fotografieren. "Man weiss ja nie... " Die Ausbildung zum Nebelwerfer erfolgt ab Herbst 1941 in einer Kasernenanlage in Celle, den noch heute so genannten Nebelkasernen. Sie werden gegenwärtig von den Engländern genutzt. Ekkehard Johler wohnt zu der Zeit ca. ein halbes Jahr auf dem Bauernhof der Familie Otte in Groß-Hehlen, Familienanschluss inklusive. Diese Form der privaten Unterbringung war seinerzeit dort durchaus üblich. Das damals von Ekkehard bewohnte Zimmer ist noch heute (2003) praktisch unverändert erhalten geblieben. Paul Heinz Otte, damals 12 Jahre alt, erinnert sich noch gut an Ekkehard Johler. Er besitzt zwei Briefe von Ekkehard aus Stalingrad sowie als Geschenk eine Bibel und den Roman Dammbau, der sich u.a. mit Vater Hans Johlers Rolle beim Dammbau nach Sylt beschäftigt.
Am 8. Mai 1942 wird Ekkehard Johler mit seiner Einheit zu seinem ersten Einsatz nach Stalingrad geschickt (Quelle: Paul Heinz Otte). Er wird in einer Nebelwerfer-Einheit als Fernmelder eingesetzt und kehrt aus Stalingrad nicht mehr zurück. Wir haben als Familie nichts Konkretes über seinen Tod in Erfahrung bringen können.
Aus den Nebelwerfern werden später Werfer, d.h. Einheiten, die stalinorgelähnliche Mehrfachraketenwerfer bedienen.


Ekkehard Johler 1942 kurz vor seinem Marschbefehl nach Russland.
Hamburg, Ostern 1942. Ekkehard Johler auf Urlaub zuhause kurz bevor er nach Russland muss.





Ekkehard Johler(o.) im Felde, vermutlich Russland Sommer 1942.
Bei den Kameraden könnte es sich um u.a. um Fauth und Hampel handeln.

 







Brief von Hans Johlers Sohn Roland(17) an die befreundete Familie Hebbeln, bei der Roland mehrfach länger zu Besuch war, um sich von verschiedenen Krankheiten zu erholen.
Todesnachricht von Hans Johler an Margarethe Hebbeln





Hans Johler 1943 portraitiert von Elena Luksch-Makowski
Hamburg, 1943. "Warum guckt der denn so ernst?", fragt mich ein Enkelkind. Ich rufe die Tochter von Hans Johler an, Karin Lauritzen. Sie erzählt mir, dass das Bild nach den Luftangriffen auf Hamburg gemalt worden ist. Eine Nachbarin am Grasweg in Hamburg, Elena Luksch-Makowski, hat es gemalt. Sie kennt die Familie Johler gut. Oft ist sie mit Hans und Elwine im Gespräch. Hans Johlers Sohn Ekkehard ist zur Zeit der Portraitarbeit seit Monaten in Stalingrad vermisst, zwei Neffen sind als Soldaten gefallen. "Er hat den Krieg schon früher kommen sehen!", sagt Karin. Die Malerin Elena Luksch-Makowski macht kein fotoähnliches Bild, sondern interpretiert und verstärkt die Stimmung von Hans Johler. Sie drückt seine Trauer und die Sorge um die Zukunft seiner Familie aus. Damit zeichnet sie ein Zeitbild, das in seiner künstlerischen Gestaltung über ein Portrait hinausgeht. Sie zeigt die Kriegsstimmung. "Ein Gefühl von Weltuntergang", wie seine Tochter Karin sagt. Das Bild ist in grau- und blautönen gehalten. Nur der Kopf strahlt hell. Elwine, die Ehefrau von Hans, empfindet das Bild damals als zu düster: "Bring das Bild weg. Hier kommt das nicht her!" Also deponiert Hans Johler es in der Druckerei seines Vaters in Wandsbek. Dort wird es bei einem Bombenangriff noch ungerahmt auf Holz aufgezogen vernichtet, der gesamte Betrieb zerstört. Hans Johler stirbt kurz nach der Fertigstellung des Gemäldes.

Oben links findet sich das Johler-Wappen.

Elena Luksch-Makowsky war eine zeitlang Nachbarin von Familie Johler in Hamburg Winterhude. Das Beileidsschreiben an die Witwe:

17. September 1943
Thielengasse 4 II 2/3
Hamburg 39

Liebe Frau Pastor Johler!
Als ich die Nachricht von dem schweren Verlust in Ihrer Familie las - war ich ehrlich erschüttert und trauere aufrichtig mit Ihnen. Mein Vorhaben - beim letzten Geleit dabei zu sein - habe ich leider im Wirbel der jetzigen Geschehnisse nicht ausführen können - was ich sehr bedauere. Ich hätte Ihnen auch geschrieben und nun senden Sie mir die Trauernachricht. Schon in den letzten Tagen des Lebens am Grasweg habe ich die größte Sympathie zu Ihrem Gatten gehabt und auch zu Ihrer ganzen lieben Familie. Dass ich zehn Jahre später anlässlich der Portraitarbeit in engeren Kontakt mit meinem Modell kam, hat meine hohe Meinung nur verfestigt - die umfassenden Gespräche waren freundschaftlich-verwandten Charakters. Ich freute mich über den gesprächigen, unerschrocken so überaus gütigen, aktiven - und großzügig talentierten Menschen. Die Tätigkeit von Pastor Dr. H. Johler brachte ihn mit so Vielen zusammen - und ich weiss, dass die Menschen - Gemeinde die die Abberufung von ihrem Pastor beweinen wird - gross ist. Vielleicht gehöre ich aber zu den wenigen Vielen die ihn nicht missverstehen konnten und richtig schätzten. Meine künstlerische und psychologische Erfahrung befähigen mich dazu. Es wäre schön gewesen wenn er diese Zeit überlebt hätte und später alles hätte besprochen und gewertet und beurteilt werden können. Viel zu früh, so dünkt es mir, ist Ihr guter Riese - gegangen. Seien Sie versichert, liebe Frau Pastor, dass ich ihm ein unvergängliches Gedenken bewahre, in echter Freundschaft. Dem - an sich arbeitenden, dem kämpfenden und dem in tausend spontanen Einfällen sich verschwendenden Menschenin aktiver Güte - immer bereit eine Freude dem anderen zu gönnen - dem Tapferen - dem viel Unbill wiederfahren ist.
Ich werde in nächster Zeit zu Ihnen kommen, um mehr zu hören, wenn Sie es erlauben. Die Andeutungen in der Mitteilung weisen ja auf ein gnädiges, ruhmvolles Ende, eine grosse Gnade Gottes, dessen Diener er im vollen Sinne war.
Ihre Elena Luksch-Makowsky

P.S. Bitte mir zu sagen ob das Portrait noch vorhanden ist, und nicht etwa bei den Angriffen gelitten hat? In diesem letzten Falle würde ich es wiederholen, anhand der Photographie von dem Bild.


Nachruf auf Hans Johler




Prof. Hans Bohrdt Beileidsschreiben
Sehr geehrte Frau Johler. Zu dem Ableben Ihres Gatten des Pastors Hans Johler sende ich Ihnen und ihren Ihrigen herzliches Beileid aus der Verbannung nach hier. Den Verstorbenen kannte ich schon seit seiner frühen Jugend. Nun ist auch er hinübergegangen in das göttliche Land der Ewigkeit und ausgeschieden aus dem Kreise unserer Freunde. Friede seiner Seele! Prof. Hans Bohrdt. Z.Zt. Vierraden bei Schwedt a.O. bei Frau Elise Hebecker.



Roland Johler 1944
Hamburg, 1944. Kurz vor Kriegsende wird auch Roland Johler noch Soldat. Er hat gerade den Reichsarbeitsdienst beendet und ist 18 Jahre alt.





Sommer 1947. Roland Johler im Kriegsgefangenenlager Friedrichsruh - Sachsenwald östlich von Hamburg. Er ist dort als Waldarbeiter bei der 891. German Labour-Service Group P.W.-Dienstgruppe zwangsbeschäftigt. Die Kriegsgefangenen haben gelegentlich Ausgang. So kann Roland auch auf Besuch zu seiner Familie nach Hamburg kommen. Ein Vater seiner Schulfreunde Claus und Paul, von Beruf Arzt, versucht vergeblich mit der Vergabe von fieberauslösenden Spritzen eine vorzeitige Entlassung zu erreichen. Roland kommt lediglich auf die Krankenstation.

Roland Johler wird 1944 als 17jähriger eingezogen. Er absolviert eine 6wöchige Grundausbildung und wird dann in Holland und Belgien gegen die Alliierten Invasionstruppen eingesetzt. Dort erlebt er Traumatisches, das ihn bis zu seinem Tod gelegentlich aus dem Schlaf reißt (z.B. die aus dem Bauchraum quellenden Gedärme).

Im Sommer 1944 hat Roland Johler in Venray, Niederlande, in einer Kirche Dienst getan. Er gehört zu einer Gruppe von Beobachtern auf einem dortigen Kirchturm. Drei Namen der Gruppe sind bekannt: Wachtmeister Günther Stegmann, Gefreiter Walther Wacker und Kanonier Roland Johler. Roman Johler, der Sohn von Roland Johler erzählt, dass sein Vater dort als Funker eingesetzt war, um über Beobachtung Koordinaten für Ziele der deutschen Artillierie durchzugeben. Deshalb waren Kirchtürme ein bevorzugtes Angriffsziel für die Alliieren. Roland Johler trägt dafür ein ca. 30 kg schweres Funkgerät auf seinem Rücken. Die Beobachter schreiben alles Wichtige auch in ein Beobachtungsbuch. Dieses Buch wird später, nachdem der Turm zerstört ist, durch einen Einwohner in den Trümmern gefunden.

Als der Kirchturm durch alliierten Beschuss in Brand gerät, ist Kanonier Roland Johler im Turm. Vielleicht weil er Sohn eines Pastors ist, hat er das Gefühl, die Kirche retten zu müssen. Er versucht, Menschen zu finden, die ihm helfen können, den Brand der Kirche zu löschen. Rolands Worte:“Ich habe gekämpft darum, die Kirche zu retten. Ich war rasend vor Eifer.“ Die anderen deutschen Soldaten haben ihm den Vogel gezeigt. Dieses Erlebnis hat Roland Johler mehrmals in der Familie erzählt. Sonst war er eher zurückhaltend damit, über den Krieg zu erzählen. Nach dem Vorrücken der Alliierten befindet er sich plötzlich an der Front. Er wird gefangen genommen und 1947 entlassen. (Quellen: Roland Johlers Schwester Karin Lauritzen, Rolands Sohn Roman, Nach der Gefangennahme durch die Alliierten kommt Roland Johler zunächst nach Berleburg ins Sauerland in Kriegsgefangenschaft, wo er in der Gegend von Laasphe Bäume fällt. 1945 gibt es zunächst keine festen Unterkünfte. Die Kriegsgefangenen werden auf einer Wiese wie Vieh gehalten. Sie versuchen sich mit dem Graben von Erdlöchern vor der Witterung zu schützen. Später trägt Roland Johler aus Säcken genähte Hosen und Holzschuhe, ist abgemagert, wie seine Schwester Karin berichtet. Karin, die ihn damals besucht, ist 1945 dorthin per Anhalter mit Lastwagen unterwegs.

"Mindestens eine halbe Million, vielleicht aber auch bis zu einer Million deutsche Soldaten hatten das Pech, die zweifellos furchtbaren, entbehrungsreichen Zustände in diesen provisorischen Freiluftlagern erdulden zu müssen. Was die Todesrate angeht, so wird allgemein geschätzt, dass sie bei etwa einem Prozent lag, aber es gibt auch plausible Schätzungen von bis zu fünf Prozent." (Frederick Taylor, Zwischen Krieg und Frieden, Berlin 2011, S. 245)

Karin Johler erzählt über die Fahrt zu ihrem Bruder Roland von Hamburg ins Kriegsgefangenenlager Berleburg im November 1945:" Meine Mardi-Freundin Hilde Bleck, Tochter des Hamburger Opel-Händlers, hatte Beziehungen zu Lastwagenfahrern, die für Opel-Bleck unterwegs waren. So bekam ich eine Mitfahrgelegenheit nach Osnabrück. Dahin fuhr auch meine Mutter mit. Sie besuchte dort ihre Cousine Dörte Randa und ihren Mann Juke. Beide hatten lange in Altona gewohnt und waren wegen eines interessanten Job-Angebots als Kinderheim-Leitung dorthin gewechselt. In Altona hatte Dörte Jürgen Frahm großgezogen, den Sohn von Karl Frahm, Bankdirektor bei der Westbank. Dessen Frau war früh verstorben. Ich fuhr von Osnabrück per Anhalter weiter nach Bedburg Hau in Nordrhein-Westfalen. Dort war meine andere Mardi-Freundin Gieschen (Gisela) für ein zwei Jahre als Arzthelferin in einem Krankenhaus für psychisch Kranke gelandet. Während der deutschen Besetzung Norddänemarks verbrachte sie dort viel Zeit in einer Klinik . Da ging es ihr gut: "Viel Schlagsahne!".Nach Kriegsende musste sie natürlich das Land verlassen. In Bedburg Hau blieb ich eine Woche.

Von dort ging es dann weiter zu meinem Bruder Roland. Zunächst kam ich nur bis Oberhausen. Dort wohnte die Mutter des Verlobten meiner Mardi-Freundin Pitty (Ingrid Peters), wie ich mich erinnerte. Ich fand ihre Adresse im Telefonbuch einer Telefonzelle und rief sie an. Sie war bereit, mich aufzunehmen. Pittys Verlobter war auf seiner ersten Feindfahrt noch in der Nordsee auf einem nagelneuen U-Boot als leitender Ingenier (Stern mit Rädchen auf der Uniform) gefallen. Das neu entwickelte Radar der Engländer hat sie aufgespürt. Ich konnte der Mutter von der Verlobung ihres Sohnes in Hamburg erzählen. Es war in Alsterdorf im kleinen Kreis der Mardi-Freundinnen. Die jungen Offiziere kannten das Risiko des Krieges und wollten für den Fall ihres Todes in einem Kind weiterleben. Pittys Vater war gerade deswegen gegen eine schnelle Heirat. Eine Frau ohne Mann ist auch nichts. Er kannte das Schicksal von Soldatenwitwen mit vergleichbaren Schicksalen aus dem 1. Weltkrieg. Mit der Mutter habe ich den ganzen Abend gesprochen. Dann durfte ich in ihrem Ehebett schlafen. Ein tolles Holzbett.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Berleburg, dem Sitz der Wittgensteins.
Wir hatten dort nur die Adresse eines älteren Ehepaars. Roland hatte die beiden während eines Freigangs angesprochen, ob er wohl dort seine Post hinschicken lassen könnte. Er selbst durfte als PoW keine Post empfangen. Eingesperrt war er nicht. Er hatte aber auch keine Chance zu fliehen ohne Papiere. Bei diesem Ehepaar konnte ich auf der Chaiselongue in der Küche schlafen. Ich traf Roland abends und einmal am Sonntag, wo er frei hatte. Er trug Holzschuhe ohne Strümpfe und eine grüne Militärjacke. Ich bin ca. 5 Tage dort geblieben. Der Mann des Ehepaars war Tischler. Ich habe mir dort einige Holzteller gekauft. Holz gab es in der Gegend viel. Mein Bruder musste im Wald Bäume fällen. Zum Schlafen ging es in eine Sägefabrik. Die Engländer brauchten das Holz als Stützen für ihre Kohlebergwerke. So viel Wald wie wir hatten die nicht. "

Schon 1945 sollen einige Gefangenen entlassen werden und dazu auf einen LKW steigen. Roland gehört zu der Gruppe. Kurz bevor er auf die LKW-Pritsche klettern kann, fragt ihn jemand nach Feuer. Roland gibt es ihm und in der kurzen Zeit, die die höfliche Geste dauert, ist der LKW voll, die Klappe geht hoch. Roland bleibt, ihm stehen dadurch zwei weitere Jahre Kriegsgefangenschaft bevor.





Hamburg, April 1964. Roland Johler wohnt jetzt in der Parkallee 14, ist Schiffsausrüster, heiratet und bekommt einen Sohn. Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft 1947 absolviert er mit 22 Jahren noch eine Lehre als Kaufmann im Papierwarengroßhandel Steffen in Othmarschen. Danach folgen Stationen in dem Rauchwarengeschäft Lehmann, das mit Tierhaaren handelte, die zu Hüten verarbeitet wurden, dem Schuhhaus Prange am Jungfernstieg, eine Tätigkeit als angestellter und später auch unternehmerische Verantwortung tragender Schiffsausrüster. Den Abschluss seiner beruflichen Laufbahn erlebt Roland Johler als Außendienstmitarbeiter bei Beiersdorf, wovon er stolz erzählte, dass er dort als erster die Idee hatte, an ALDI zu verkaufen und auf einen Schlag für einen 6stellligen DM-Betrag Tesa-Produkte veräußern konnte. Das brachte ihm eine anerkennende Notiz in der Mitarbeiterzeitung. Roland Johler starb am 5.2.1993 in Hamburg.



Hamburg, ca. 1985. Roland Johler. Er ist jetzt in zweiter Ehe verheiratet und wird Vater eines zweiten Sohnes.








Morsum, April 1973. Hannes und Grete Hebbeln mit Elwine Johler(r.) in der Mitte. Außen links Karin Lauritzen, rechts Magda Lauritzen. Das Foto ist auf der Terrasse des Hauses von Karin und Georg Lauritzen in Morsum am Terpstig aufgenommen worden. Hannes und Gretel Hebbeln sind mit den Johlers befreundet seit Hannes Hebbeln in Morsum als Junglehrer tätig war.





Kiel, Januar 1975. Elwine Johler (2.v.l.) im Seniorenheim Holtenau. Tochter Karin wohnt zu der Zeit in Kiel-Wik. Die Mitbewohnerinnen v.l.: Gertrud Kemgt +6.3.76, Elwine Johler, Antonia Schumacher. V.r.: Clara Laars und Else Kalweit.


Elwine Johler Am Nordostseekanal 1975 mit Tochter Karin
Kiel, 25. April 1975. "Mit Karin...am Kanal Buschwindröschen gepflückt im Knooper Wald."





Hamburg 1986. Elwine Johler feiert im Haus ihres Sohnes Roland am Wiesenredder in Hamburg-Jenfeld ihren 90. Geburtstag.

Ein Geheimnis ihres langen Lebens ist vielleicht ihr Medikamentenkonsum. In einem Brief an ihre Freundin Margaretha vom 30.11.1967 schreibt sie: "Früher war ich nicht so fürs einnehmen, aber jetzt bin ich schon lange nicht mehr zimperlich auf dem Gebiet. Durch die Bank muß ich dreimal täglich drei bis vier verschiedene Sachen schlucken. Tropfen für den Gallenfluß, Tabletten gegen zu hohen Blutdruck, Dragees fürs Herz, auch Dragees gegen die Durchblutungssstörungen und Kapseln gegen die Gichtknoten in den Pfoten! Und wenn ich schwindelig bin, was auch hin und wieder passiert, habe ich auch Pillen dafür liegen, die zum Glück auf Anhieb helfen. Ich wunder mich nur immer, daß all dies Zeug auch immer dahin rutscht, wo es helfen soll. Aber Onkel Doktor sagt, das regelt sich ganz von selbst. Nur brav schlucken. Hotzvadori, und wenn es mit der Verdauung nicht ganz klappt, hab ich dafür auch noch einen Pillentröster vor dem Schlafengehen. Nun kannst Du mal tüchtig lachen über mich, ich habe früher auch oft gelacht, wenn ich die alten Tanten mit ihren Apotheken im Pompadour (altertümliche Damenhandtasche) beobachtete. Nu sünd wi sülben so wiet!!"





Ca. 1984. Elwine Johler bei ihrer Tochter Karin Lauritzen in Morsum.





Morsum, Friedhof 1991.



Morsum, Juli 2002.
Ulle Weber (r.) liest im Moasem Hüs aus Margarete Boies Roman Dammbau. Hier ist sie im Gespräch mit Karin Lauritzen, der Tochter des Pastors Hans Johler, einer Hauptfigur des Romans.

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Daniel Gustav Hans Johler ist seit 19.5.1913 in seiner ersten Anstellung Pastor in Morsum auf Sylt. Er heiratet am 3.9.1919 Katharina Julie Elwine Ude aus Lübeck. Beide wohnen im Morsumer Pastorat.

Hans und Elwine Johler haben 3 Kinder:

1.) Ekkehard Harro Godwin Erk Johler
* 21.10.1921 in Morsum
als Soldat vermisst in Stalingrad am 15.1.1943
>Ekkehards letzte Briefe aus Stalingrad
Private Fotos von Ekkehard Johler vom Stalingradfeldzug

2.) Karin Runtraut Elwine Johler *7.2. 1925 in Morsum

3.) Roland Rudolf Ingo Johler †
* 21.6.1926 in Morsum
heiratet zunächst Annegret Eckhoff:
1 Kind York
In zweiter Ehe ist Roland Johler mit Brigitte Batista verheiratet:
1 Sohn Roman (verheiratet mit Margret Taskiran)

In die Dienstzeit von Hans Johler in Morsum fällt u.a. der Dammbau nach Sylt. Hans Johler kümmert sich als Seelsorger auch um die vielen (1500?) Arbeiter, die in das sonst so abgeschottete Dorf gekommen sind. Das führt zu Spannungen mit der eingesessenen Bevölkerung, die u.a. den Stoff für Margarete Bojes Roman "Dammbau" liefern.

1915 meldet sich der national eingestellte Pastor Johler zum 2. Mal freiwillig für den Dienst mit der Waffe. Das königliche Konsistorium lehnt den Antrag ab, da zur notdürftigen seelsorgerischen Versorgung der Insel zwei Geistliche notwendig seien. (vgl. Dannenberg, S. 122)

Woher kommt diese Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen? Eine Antwort darauf findet sich vielleicht in der Erziehung während der Kaiserzeit. Folgende Zeilen leiten die Festgabe der Stadt Wandsbek für ihre Jugend von1897 ein, die aus einem von Hans Johler im Alter von 15 Jahren signierten Exemplar zitiert werden:

"Freue dich, deutscher Knabe, deutsches Mädchen, sei stolz darauf, dein Vater war auch dabei, als wir hinauszogen in den Kampf für Deutschlands Ehre, in den heißen Kampf, das bedrängte Vaterland zu verteidigen!...Deutschlands Sohn, ob du mitgekämpft hast oder nicht, blicke in Verehrung auf zu dem Heldenkaiser, der uns zum Sieg geführt hat." Lob auf den Reichsgründer Kaiser Wilhelm I., der die als Verteidigungskrieg begonnene Auseinandersetzung von 1870/71 gegen Frankreich u.a. zur Annexion von Elsaß und Lothringen nutzte.-

Kaiser Wilhelm I.

Dem Nazi-Regime steht Hans Johler ablehnend gegenüber. Anpassungen an den Staat sind eher formal. So verwendet er in einigen Briefen an offizielle Stellen den Hitlergruß. In einem Familienbrief aus dem Jahre 1932 findet sich fogende Bemerkung über Hans Johler:

"Es freut mich auch, dass Hitler wieder weitere schöne
Erfolge gehabt hat, nur dass Johlers sich nicht bekehren lassen wollen, kann ich eigentlich nicht verstehen. Wieso treibt Brüning eine feine Politik, Hans [Pastor Hans Johler] muss doch selber spüren, was bei seinen Notverordnungen herausgekommen ist, Gehaltsabbau usw. Außerdem ist der Mann Katholik und sollte aus diesem Grunde schon nicht die Sympathie eines protestantischen Priesters haben. ...Das mit der gottlosen Vergottung der Vergötterung der Gottmenschen und der heidnischen Götterei scheint mir auch ziemlich überspannt zu sein, man muss zum mindesten eine ganze Zeit nachdenken, bis man den Sinn halbwegs erfasst hat."

Hans Johler war Mitglied der Deutschen Christen (Paasch, S. 28), einer dem Nationalsozialismus nahestehenden Strömung im Protestantismus. Sie wurde 1932 auf Reichsebene gegründet.(Piening, S. 65) Irgendwelche Aktivitäten im Zusammenhang mit Johlers Mitgliedschaft sind nicht bekannt. Völkisch-christliche Gedanken sind Johler nicht fremd gewesen. Enkel Ekkeharde Lauritzen vermutet, dass die Mitgliedschaft seine Chancen auf eine Beschäftigung als Pastor in Hamburg begünstigen sollte. Nazi war Hans Johler nicht.

Überliefert ist ein erbittertes Streitgespräch in den 1930er Jahren zwischen Hans Johler, seinen Brüdern Ingo und Karlaugust sowie Hermann Okraß, dem Hauptschriftleiter des Hamburger Tagesblatts und Mitglieds der Hamburger Bürgerschaft. Die Zeitung war ein NSDAP-Propagandablatt. Okraß ist mit einer Schwester von Erika Johler, geb. Jankwitz, verheiratet. Damit gehört er zur Familie.

Der Streit in Kurzform: Hans Johler:"Hitler bringt uns den Krieg!" Okraß:"Nein!" Ingo Johler:"Und wenn schon!"- Später sterben Ingos vier Söhne im Krieg. Ebenso ein Sohn von Hans.

Hans Johlers Name steht auch im Verzeichnis aller vom 27. Januar1917 an von der "Frisia zur Nordwacht" aufgenommenen BBr. Freimaurer.

1943 kauft sich Hans Johlers Sohn Roland einen Kurzwellenempfänger. Vater und Sohn hören zusammen unter der Bettdecke die deutschsprachige BBC. (Quelle: Karin Lauritzen). Das spricht für die Distanz zum herrschenden Regime.

Bis dahin besitzt Familie Johler einen schwarzen Volksempfänger, die sehr günstig verkauft wurden, wohl auch, um der Bevölkerung die Nazipropaganda besser vermitteln zu können. Das Radio empfängt nur Mittel- und Langwelle. Das allererste Radio ist ein Kofferradio, das mit einem Akku betrieben wird. Man musste ihn zum Aufladen in ein Geschäft am Winterhuder Markt bringen. Dieses Gerät steht in der Wohnung am Grasweg. Auch Elwine Johler nutzt es am Abend beim Bügeln und Stopfen. Karin hört gern Märchenhörspiele. Als Vater Hans sie mal mit den Worten ruft:"Dein Patenonkel hält eine Rede!" versteht Karin nichts davon. Patenonkel ist Reichspräsident Hindenburg.

1937 kauft Hans Johler einen elektrischen Kühlschrank. Bis dahin hat die Familie keine Kühlmöglichkeit. Es gab nur die Technik, sich große Eisstangen ins Haus bringen zu lassen, die in einem isolierten Schrank zu Wasser schmelzen. Die Johlers hatten sie nicht.

Im November 1927
wechselt Hans Johler nach Hamburg und wird dort 1929 Flussschiffer-Pastor auf der Veddel. Er setzt sich u.a. "für die Errichtung eines Schifferkinderheims sowie eines Heims für die erwachsenen Schiffer ein" (Paasch, S. 27). Er wird am 19.9.1939 an der Universität Hamburg mit einer Arbeit über "Die Strukturwandlungen der Binnenschiffahrt im Jahrzehnt 1930 - 1940 in Hamburg als Grundlage einer Soziologie des deutschen Schifferstandes" promoviert.

In der Kriegszeit versieht Hans Johler Vertretungsgottesdienste in verschiedenen Hamburger Kirchen und im Friedhofsdienst. Weil das Geld nicht reicht, arbeitet Hans Johler ab 1941 auch im Rahmen des Kriegshilfsdienstes bei der Hamburger Feuerkasse. Seine Arbeit als Vertretungspastor gibt er deshalb jedoch nicht auf. Ausdruck der finanziellen Enge ist eine Bitte von Hans Johler an eine Freundin von Elwine, die in Hademarschen Kreis Rendsburg wohnt, also auf dem Lande:"Hier ist alles ziemlich knapp. Sollte es Euch doch möglich sein, mit der Post einige Eier ab und zu zu übersenden, würdest Du ein wirklich gutes Werk für meine Gesundheit tun."(Postkarte vom 28.9.1939) Wie wichtig ihm die Versorgung mit frischen Eiern war, zeigt ein Brief, der sich auf zwei
Seiten der Eierlogistik widmet.

Elwine und Hans Johler wohnen in Hamburg zunächst am Grasweg 38a und dann in der Gryphiusstr. 3 im ersten Stock.

Im Januar 1943 wird ihr Sohn Ekkehard in Stalingrad als vermisst gemeldet.

Hans Johler stirbt am 5.9.1943 während eines Vertretungsgottesdienstes in der später durch Luftangriffe zerstörten Bramfelder Kirche. Er hatte einen Herzfehler und war mit dem Fahrrad nach Bramfeld gefahren. Die Anstrengung war wohl zu groß.

Elwine Johler zieht 1955 aus der für sie nun viel zu großen Wohnung in der Gryphiustraße in eine 1 1/2-Zimmer-Wohnung am Schwanenwik 31. Danach ab 1973 wohnt sie 6 Jahre in einem Altenheim in Kiel-Holtenau und nach dem Umzug ihrer Tochter Karin nach Morsum 6 Jahre in einer Seniorenwohnanlage in Westerland, dann 2 Jahre bei Karin und und weitere 6 Jahre in Westerland auf einer Pflegestation.Sie stirbt dort am 20.2.1991.






Quellen:
Dannenberg, Gerd: Schicksal hinter goldenen Lettern

Gerhard Paasch, Die Hamburger Flussschiffergemeinde, Hamburg 2003

Piening, Holger: Zwischen Monarchie und Führerstaat Nordfriesische Pastoren im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, In: Zwischen Eider und Wiedau Nordfriesland 2017



Lange nicht gehört!
Elwine Johler erzählt ihrer Tochter Karin von ihrer Verlobung im Jahre 1919 (42`30. Die ersten 7`13 sind sehr leise. 40 MB)
hier hören








Hochzeit von Hans und Elwine Johler (1919)
Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Morsum:
-Kirchenvorstand Morsum
-Sara Mattessen [Haushaltshilfe im Pastorat]
-Küster Hansen und Frau
-Familie Sparboom
-Reinhard Bleicken und -Familie
-Christiansen Simon
-Ferdinand Jensen und Familie
-Familie Johann Heiksen
-Bernhard Matzen und Frau
-Peter Bleiken u Bleicken
-Familie Schröder
-Familie Cornelisen
-Carl Lorenzen und Frau
-Peter Boy Eschels und Familie
-Ingwersen Nösse
-Charlotte Jessen
-Familie Kayser
-Boy Jensen und Frau
-Julius Matzen und Frau
-Jürgen Mathiessen
-Julius Petersen und Frau
-
Anton Jensen und Familie
-Peter Schnoor und Frau
-Karl Erich Krohn und Frau
-Petersen und Frau
-Familie Hans Klint
-Chr Kruse u Fräulein
-Emma und Thora Nissen
-Lorenz Petersen und Familie
-Familie Adede Petersen
-Familie Feddersen
-Peter Matzen und Frau
-Familie Christian Petersen
-Boy Simon Thiesen und Familie
-Carl Boy Nissen und Frau
-Frau Mietje Petersen
-Peter Matzen und Familie
-Peter Meinert Petersen
-Käthe Johannsen
-Max Bossen und Frau
-Jensine Petersen und Frau

Glückwunschkarte:
-Carl B. A. Petersen und Frau
-Familie Nic. Hansen
-Christian Bundis
-Peter Geik Petersen und Frau

Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Westerland:
-Frisia zur Nordwacht
-Tante Nelly [Thusnelde Lund]
-Pastor Soltau und Frau und Mutter
-Märtz und Frau
-Dr. Nicolas und FamilieFamilie Volgrude
-Bruder Hildebrandt
-Max Nissen und Frau
-Alex Herklotz
-Ehepaar Zeidler
-Schwester Gondel Christiansen

Glückwunschkarte:
-Reinh. Ratzlaff und Frau
-H. Hoffeins und Frau
-D. B Brodersen und Familie

Absender der Telegramm-Glückwünsche aus Keitum:
-Organist Dirksen und Familie
-Ruhsert und Frau
-Volquard Claßen und Frau
-N Nielsen und Familie

Glückwunschkarte:
-Adolf Reusch und Frau

Braderup:
Glückwunschkarte:
-N. Diedrichsen und Frau

















historische Karte von Morsum/Sylt (Stand 1878)
sowie
die Anschlusskarte Keitum/Sylt





































Fotos von Pastor Hans Johlers KonfirmandInnen auf Sylt







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